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„Takeover: Hitlers Final Rise to Power“

Ein Kommentar zu Timothy W. Rybacks neuem Buch (2025)

von Dr. Karsten Heinz Schönbach

In den 70ziger und 80ziger Jahren des 20. Jh. gab es eine große und qualitativ hochwertige Diskussion um die Frage des Aufstiegs Hitlers – vor allem hinsichtlich der Frage, welchen Anteil die führenden deutschen Großindustriellen und Bankiers daran hatten. Qualitativ hochwertig war diese Diskussion vor allem deshalb, weil umfangreiche neue Quellenbestände ausgewertet und erschlossen wurden. Hier wären als wichtigste zu nennen, die Akten des damaligen „Deutschen Zentralarchivs“ in Potsdam sowie die Akten verschiedener deutscher Konzernarchive – u.a. die Akten der GHH mit dem Nachlass des Großindustriellen Paul Reusch und die Akten der Hoesch AG.

Andererseits war diese Diskussion vor allem auch deshalb qualitativ hochwertig, weil alle politisch aktiven gesellschaftlichen Gruppen betrachtet und einbezogen wurden. Natürlich gingen die Meinungen über die Rolle der damaligen führenden deutschen Kapitalisten auseinander, aber das tat der hohen Qualität keinen Abbruch.

Allerdings hatte sich der Diskurs in der Forschung nach 1995 eindeutig zu einer bis heute vorherrschenden konservativen Tendenz verschoben, welche die früheren Forschungsstände zunehmend ignorierte und welche ganz offenbar das Ziel verfolgt, alle politisch aktiven gesellschaftlichen Gruppen aus der Betrachtung auszuschließen, um die alte und flache Nazi-Legende von der s.g. „Machtergreifung“ zu propagieren. Das ist gegenwärtig (2025) in der konservativen westlichen Historiographie der s.g. „Forschungsstand“!

Der 30. Januar 1933 gilt in dieser Legende schlechthin als der Tag, an welchem Hitler angeblich „die Macht ergriffen“ hat. In der Regel wird daher die Ernennung Hitlers zum Kanzler an jenem Tage bis auf den heutigen Tag mit dem Beginn seiner Diktatur gleichgesetzt. Von diesem Tage an spricht man deshalb bis zum 8. Mai 1945 vom „Nationalsozialismus“ oder vom „Dritten Reich“. Doch diese Ansicht ist falsch, denn Hitler ist an jenem 30. Januar 1933 zunächst nichts anderes als Kanzler der Weimarer Republik gewesen wie andere Kanzler vor ihm.

Nach der westlichen Staatsphilosophie erfolgt die Errichtung einer Diktatur nämlich erst mit der Verschmelzung von Exekutive und Legislative. Das bedeutet, dass die Regierung ohne das Parlament regieren kann, weil die Macht, Gesetze zu erlassen, vom Parlament (der „Legislative“) auf die Regierung (auf die s.g. „Exekutive“) übergeht. Das kommt fast einer absoluten Monarchie gleich und wird als die „Aufhebung der Gewaltenteilung“ bezeichnet. Diese Aufhebung der Gewaltenteilung, d.h. die dauerhafte und unabänderliche Übertragung der legislativen Gewalt auf die Exekutive – also auf die Regierung – erfolgte erst am 24. März 1933 durch die Verabschiedung des sogenannten „Ermächtigungsgesetzes“. Dort heißt es in den Artikeln 1 und 2, dass Reichsgesetze „durch die Regierung beschlossen werden“ können (also ohne das Parlament, einfach durch das Hitler-Kabinett); und diese Gesetze „können von der Reichsverfassung abweichen“.1 Dieses Gesetz machte Hitler auf absolut legalem Wege zum Diktator. Deswegen bezeichnet man das Gesetz als „Ermächtigungs-“ Gesetz, weil es Hitler „ermächtigte“. Es wird sich hier an späterer Stelle noch zeigen, dass auch Ryback diese Tatsache nicht begriffen hat und daher eine alte Nazi-Legende propagiert.

Das Ermächtigungsgesetz ist nämlich für die Geschichtsschreibung eine unbequeme Sache, denn es beweist, dass Hitler die Macht nicht „ergriffen“ hat, sondern dass sie ihm ausgeliefert wurde – und das übrigens einstimmig (!) im bürgerlichen Lager. Die klare Sicht auf diese Tatsache würde aber zu einer ganzen Reihe unbequemer Fragen führen: Warum? Durch wen? Wer oder was steckt dahinter? usw. Es ist eine berechtigte Frage, welche Kräfte hinter einer Parlamentsentscheidung wirkten, die über hundert angesehene Demokraten dazu brachte, plötzlich ihr Parlament und die Demokratie abzuschaffen. Ryback hat sich – wie hier noch gezeigt werden wird – in den Dienst dieser „Geschichtsschreibung“ gestellt.

Die Legende von der s.g. „Machtergreifung“ ist – wie gesagt – eine Nazi-Legende, die zur „Geschichtsschreibung“ erhoben wurde. Der Mythos vom allmächtigen Führer, der aufstand und die Republik allein umstieß, um die Macht zu „ergreifen“, ließ sich eher mit Hitlers Ernennung zum Kanzler kolportieren als damit, dass er die Macht durch eine parlamentarische Abstimmung empfing. Das Ermächtigungsgesetz steht somit als Grundlage der Hitler-Diktatur in einem Widerspruch zur NS-Ideologie und zum NS-Hitlermythos.2 Daher wich man bei den Nazis in der „Geschichtsschreibung“ auf die Ernennung Hitlers zum Kanzler aus, um seine s.g. „Machtergreifung“ behaupten zu können.

Diese Nazi-Legende formulierte auch der NS-Führer Hermann Göring im Zeugenstand während seiner Vernehmung durch das Internationale Militärtribunal (IMT) in Nürnberg am 13. März 1946. Göring rekapitulierte aus der Nazipropaganda eben jene Legende, wonach der NSDAP-Führer Adolf Hitler ganz von selbst und ohne jegliche Unterstützung die Macht „ergriffen“ habe.3 Die jahrelange Unterstützung der NSDAP aus Wirtschaftskreisen einschließlich einer entscheidenden Finanzierung vonseiten der profaschistischen Großindustrie überging er einfach, obwohl er zum Teil selbst an diesen Vorgängen beteiligt war und es nachweislich besser wusste. Auch das Ermächtigungsgesetz fand in seiner Darstellung selbstverständlich keine Erwähnung.4

Diese Legende setzt vor allem die westliche Historiographie bis heute in voller Übereinstimmung mit der „Göring-Version“ unbekümmert fort. Der Ausgangspunkt dieser „Geschichtsschreibung“ ist der amerikanische Historiker Henry Ashby Turner. In jahrelanger akribischer Arbeit versuchte er zuerst die Beteiligung der deutschen Großindustrie am Aufstieg Hitlers zu widerlegen.5 Darauf aufbauend versuchte Turner die breite und qualitativ hochwertige Diskussion um den Aufstieg Hitlers wieder auf die einfache und politisch unverfängliche Nazi-Legende zu reduzieren – allerdings ohne den Hitler-Mythos im Kern, wonach der große und „allmächtige“ Führer allein aufgestanden war und die Macht „ergriffen“ hatte. Turner ersetzte den Hitler-Mythos, indem er eine eindimensionale Verschwörungstheorie konstruierte, wonach der Aufstieg Hitlers das Produkt einer kleinen Gruppe aus dem Umfeld des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gewesen sei – der s.g. „Hindenburgkamarilla“.6

Es muss dazu gesagt werden, dass Turners Arbeiten zur angeblichen Nichtbeteiligung der deutschen Großindustrie am Aufstieg Hitlers durch die Dissertation des Autors dieses Beitrages an der Freien Universität zu Berlin im Jahre 2012 vollständig widerlegt worden war und folglich sind damit alle Erklärungsansätze, die Hitlers Aufstieg jenseits der maßgeblichen Beteiligung der deutschen Großindustrie suchen, schon im Ansatz fehlerhaft.7 Doch obwohl der Autor dieses Beitrages in einem halben Dutzend Publikationen die maßgebliche Beteiligung der deutschen Großindustrie am Aufstieg Hitlers immer wieder dokumentiert hat,8 ignoriert die konservative Historiographie diese Erkenntnisse – worauf der Autor im Jahre 2016 in seiner Rezension zu Wolff-Ingo Seidelmanns Buch zur deutschen Kriegsrüstung9 aufmerksam gemacht hatte.10

Mit dem Buch von Timothy W. Ryback tritt allenfalls die von Turner lange angestrebte Rückentwicklung in der Geschichtsschreibung zum Niveau der 50ziger Jahre des 20. Jh. ein. Ryback´s Buch reduziert den Aufstieg des Faschismus wieder auf die einfache und politisch unverfängliche Nazi-Legende – wie Turner, und ebenfalls ohne den Hitler-Mythos im Kern. Ryback übernimmt die Darstellung Turners und verwendet sogar das Wort „Camarilla“ für die Bezeichnung des Umfeldes des Reichspräsidenten.11 Das heißt nicht, die politischen Aktivitäten der Großindustrie haben den Aufstieg Hitlers ermöglicht, sondern lediglich persönliche Initiativen von Einzelpersonen aus dem direkten Umfeld Hindenburgs. Die Gruppe der führenden Großindustriellen, die in Eingaben und durch mehrfaches persönliches Erscheinen beim Reichspräsidenten direkten Einfluss auf die Kanzlererhebung Hitlers gehabt haben,12 klammert er aus. Auch die Tatsache, dass genau das Gesetz, das Hitler einmal zum Diktator machen sollte – das „Ermächtigungsgesetz“ – erstmals in Industriekreisen zur Sprache kam und in diesem Kreise projektiert wurde,13 klammert er ebenso aus, wie die Tatsache, dass die Großindustrie Hitler die Reichstagswahl zum 5. März 1933 finanziert hatte.14

Ryback übernimmt auch die klassische Darstellung der Nazi-Legende von Hitlers „Machtergreifung“ durch seine Fixierung auf den 30. Januar 1933.15 Die hier notwendige Ausblendung des Ermächtigungsgesetztes und des Weges dorthin hätte nämlich gezeigt, dass der entscheidende Schritt Hitlers zur Diktatur ohne die Beteiligung der deutschen Großindustrie am Ende unmöglich gewesen wäre.

Auch die Behauptung des Verlages, dass Ryback bisher „unzugängliches Archivmaterial“ benutzt hätte,16 ist – gelinde gesagt – lächerlich. In Wirklichkeit sind die wenigen echten Archivarien, die Ryback überhaupt benutzt, aus den Beständen der Akten der Reichskanzlei und des Reichspräsidenten, aus denen in Deutschland seit den 50-ziger Jahren des 20. Jh. Veröffentlichungen vorgenommen werden.17 Diese Bestände waren schon immer alles andere als „unzugänglich“. Auch Quelleneditionen wie das Tagebuch des Grafen Kessler oder die Goebbels-Tagebücher sind kein „unzugängliches Archivmaterial“, sondern stehen in jeder ernstzunehmenden wissenschaftlichen Bibliothek Deutschlands. Ebenso stehen die Zeitungen, die Ryback aus der damaligen Zeit verwendet, der Öffentlichkeit im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek zu Berlin seit vielen Jahrzehnten zur Verfügung.

Verglichen mit den Arbeiten der 70ziger, 80ziger und 90ziger Jahre des 20. Jh. leidet Rybacks Arbeit in Wirklichkeit an akuter Quellenarmut. Selbst dieser kurze Beitrag hier frequentiert mehr Archivbestände als Rybacks ganzes Buch. Zudem basieren seine Darstellungen auf heute längst obsoleten Arbeiten aus den 30ziger, 50ziger und 60-ziger Jahren des 20. Jh. – was die Rückentwicklung der Forschung, die durch sein Buch deutlich wird, unterstreicht.18 Letztlich verwendet er sogar höchst problematische Literatur, wie die Darstellung der Geschwister Pool,19 die nachweislich Dokumente aus Archiven zitierten, die sie nie besucht haben.20 Hier sollte man sich schon mit der Literatur zum Thema auskennen, bevor man sich als Autor betätigen möchte.

Verglichen mit Rybacks Buch waren selbst Turners Arbeiten wahre Perlen der westlichen Historiographie. Im Grunde markiert Rybacks Buch nicht nur den Rückschritt und den Tiefpunkt der Forschung in diesem Bereich, sondern gemessen am Forschungsstand der Jahrtausendwende ist sein Buch im Prinzip völlig wertlos.



    1. Ermächtigungsgesetz: Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich, 24.03.1933; entnommen aus: Kühnl, Reinhard, Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten, Köln 2000, Dokument Nr. 104, S. 177.↩︎

    2. Der Beleg dafür ist der Kommentar des NS-Juristen Carl Schmitt. – Siehe: Hofer, Walter, Der Nationalsozialismus – Dokumente 1933 – 1945, Frankfurt/Main 1957, Dokument Nr. 27b, S. 57 – 58.↩︎

    3. Siehe Görings Aussage über den Aufstieg der NSDAP-Führung: Internationales Militärtribunal (IMT), Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vom 14. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946, Nürnberg 1947, Band 9, S. 276 – 296.↩︎

    4. Siehe: Schönbach, Karsten Heinz, Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926 – 1943, Berlin 2016, S. 115 – 376.↩︎

    5. Siehe: Turner, Henry Ashby, Faschismus und Kapitalismus in Deutschland, Göttingen 1972, S. 10 – 14; Derselbe, Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Berlin 1985, S. 422.↩︎

    6. Turner, Henry Ashby, Hitlers Weg zur Macht – Der Januar 1933, Tübingen 1996, S. 9 – 241.↩︎

    7. Schönbach, Karsten Heinz, Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926 – 1941, Dissertation der Freien Universität, Berlin 2012 (Promotionsschrift – Universitätsveröffentlichung).↩︎

    8. Schönbach, Karsten Heinz: 1.) Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926 – 1943, Berlin 2016; 2.) Die Illusion der Volksgemeinschaft – Bündnis zwischen Großindustrie und NS-Führung gegen die Arbeiterschaft; in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 2013/I; 3.) Ruhrkohle für Hitler – Die Finanzierung der NSDAP durch die Großindustrie 1928–1933; in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2015/1; 4.) Die Königsmacher – Hitler, die Großindustrie und der 20. Februar, Eine Dokumentation zum Anteil der deutschen Großindustrie am Aufstieg Hitlers; in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2018/2; 5.) Faschismus und Kapitalismus – Bündnis zur Zerschlagung von Demokratie und Arbeiterbewegung, Berlin 2020; 6.) Faschismus und Kapitalismus – Der Faschismus auf dem Weg zur Macht; in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2020/3; 7.) Hitler and the German Coal Industrialists, INET Working Paper, (deutsch: Hitler und die deutschen Kohleindustriellen), (Boston) 2024.↩︎

    9. Seidelmann, Wolf-Ingo, Eisen schaffen für das kämpfende Heer, Die Doggererz AG – ein Beitrag der Otto-Wolff-Gruppe und der saarländischen Stahlindustrie zur nationalsozialistischen Autarkie- und Rüstungspolitik auf der badischen Baar, Konstanz und München 2016.↩︎

    10. Schönbach, Karsten Heinz, Rezension: Wolff-Ingo Seidelmann, Eisen schaffen für das kämpfende Heer; in: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Stuttgart 2018, S. 278.↩︎

    11. Ryback, Timothy W., Takeover – Hitler´s Final Rise to Power, New York 2025, S. 255 – 301.↩︎

    12. Vgl.: Schönbach, Karsten Heinz, Die deutschen Konzerne, S. 325 – 393; Derselbe, Faschismus und Kapitalismus – Bündnis, S. 135 – 162.↩︎

    13. Schreiben von Franz von Papen an den Großindustriellen Fritz Springorum, 20.01.1933, Akten der Hoesch AG, H/252, Konzernarchiv ThyssenKrupp Duisburg.↩︎

    14. Aufzeichnung von Martin Blank vom 21. Februar 1933 für den Großindustriellen Paul Reusch über das Treffen vom 20. Februar 1933 zwischen Großindustriellen und Hitler, Akten der GHH, Rheinisch-Westfälisches-Wirtschaftsarchiv, Köln, 130-4001012024/11, Blatt 371 – 375.↩︎

    15. Ryback, Timothy W., Takeover, S. 288 – 301.↩︎

    16. Ryback, Timothy W., Takeover, Buchumschlag.↩︎

    17. Das bezieht sich auf die Akten der Reichskanzlei (hauptsächlich die Kabinetts- und Ministerbesprechungen) sowie auf die Akten den Reichspräsidenten (hauptsächlich die Aufzeichnungen zu den Besprechungen Hindenburgs.) – Siehe dazu die eine Auswahl der bisherigen Veröffentlichungen aus diesen Akten: Schreiner, Albert, Die Eingabe deutscher Finanzmagnaten, Monopolisten und Junker an Hindenburg für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler; in: ZfG 2/1956; Gossweiler, Kurt, Karl Dietrich Brachers „Auflösung der Weimarer Republik“; in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZFG), 3/1958, S. 508 – 557; Erdmann, Karl Dietrich (Hg.), Akten der Reichskanzlei – Die Kabinette Brüning I und II, Band 1 – 3, Boppard 1982.↩︎

    18. Siehe und vergleiche dazu: Wheeler-Bennett, John, The Wooden Titan, London 1936; Derselbe, The Nemesis Of Power: The German Army in Politics, 1918 – 1945, London 1954; Shirer, William, Rise and Fall oft the Third Reich, New York 1960; Ryback, Timothy W., Takeover, S. 323 – 371.↩︎

    19. Vgl.: Ryback, Timothy W., Takeover, S. 350; Pool, J. & S, Hitlers Wegbereiter zur Macht – Die geheimen deutschen und internationalen Geldquellen, die Hitlers Aufstieg zur Macht ermöglichten, Bern – München 1995.↩︎

    20. Turner, Henry Ashby, Die Großunternehmer, S. 427, Fn. 3.↩︎

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    Panzerschlacht im Kursker Bogen – Eine kritische Antwort an Roman Töppel

    In diesem im August 2025 neu erschienen Beitrag „Panzerschlacht im Kursker Bogen – Zur Aktualisierung des Forschungsstandes. Eine Antwort an Roman Töppel“ nimmt der Autor eine grundlegende Neubewertung der Schlacht im Kursker Bogen vor, einem der zentralen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. Ausgangspunkt ist die anhaltende Wirkung zweier zentraler Narrative in der westlichen Geschichtsschreibung – der sogenannten „Hitler-Legende“ und dem „Siegfried-Mythos“.

    Die „Hitler-Legende“ stilisiert Hitler zum alleinigen Planer und Hauptverantwortlichen des Unternehmens „Zitadelle“. Schönbach zeigt hingegen anhand zahlreicher Wehrmachtsdokumente, dass die eigentliche Planung durch führende Generäle wie v. Manstein, Zeitzler und v. Kluge erfolgte – teils sogar gegen Hitlers Willen.

    Der „Siegfried-Mythos“ suggeriert, dass die Wehrmacht im Kursker Bogen kaum eigene Verluste erlitten, jedoch riesige Mengen sowjetischer Panzer vernichtet habe. Auch dieses Bild wird auf Basis originaler Verluststatistiken, Werkstattberichte und Feldakten systematisch entkräftet. Es zeigt sich vielmehr, dass Panzerverluste auf deutscher Seite systematisch verschleiert wurden – etwa durch nachträgliche statistische Umdeklarierung und das Mitführen irreparabler Panzer, um sie nicht als „Totalverluste“ melden zu müssen.

    Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem Panzergefecht bei Prochorowka, das in der westlichen Nachkriegsliteratur häufig zur Schlacht erhöht und als deutscher Teilsieg interpretiert wird. Schönbach weist nach, dass diese Erzählung nicht nur auf fragwürdigen Quellen beruht, sondern auch methodisch problematisch ist: Was ursprünglich ein Gefecht innerhalb der Kursker Schlacht war, wurde retrospektiv zu einer eigenständigen „Schlacht“ stilisiert – mit erheblichen Folgen für die Deutung des Gesamtgeschehens.

    Die Veröffentlichung versteht sich zugleich als direkte Antwort auf die auf academia.edu veröffentlichte sogenannte „Fehlerliste“ des Historikers Roman Töppel, der Schönbachs vorangegangene Monografie „Die Kursker Schlacht – Das Ende der westlichen Legenden“ kritisiert hatte. Der vorliegende Text geht detailliert auf die Argumente ein, weist zentrale Fehlannahmen nach und legt offen, wie fragil viele Grundlagen der etablierten Darstellung tatsächlich sind.

    Panzerschlacht im Kursker Bogen – Zur Aktualisierung des Forschungsstandes – Eine Antwort an Roman Töppel (e-paper)

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    Panzerschlacht im Kursker Bogen – Zur Aktualisierung des Forschungsstandes – Eine Antwort an Roman Töppel (e-paper)

    von Dr. Karsten Heinz Schönbach

    Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichtsschreibung zur Schlacht von Kursk (1943) und geht dabei auf Roman Töppel und seinen Aufsatz „Karsten Heinz Schönbach, Die Kursker Schlacht, Fehlerliste (2024)“ ein.

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    Die gekaufte Wahl – Wie Adolf Hitler die Macht erlangen konnte

    In Die Königsmacher – Hitler, die Großindustrie und die gekaufte Wahl legt der Historiker Dr. Karsten Heinz Schönbach in einer aufrüttelnden Analyse dar, wie tief führende deutsche Industrielle in den Aufstieg Hitlers verstrickt waren. Der Aufsatz zeigt, dass Hitlers Weg zur Macht nicht nur politischem Kalkül oder gesellschaftlichen Krisen geschuldet war, sondern auch einer aktiven, massiven Unterstützung aus den Reihen der deutschen Wirtschaftseliten.

    Im Zentrum der Untersuchung steht die bislang oft verharmloste Konferenz vom 20. Februar 1933: ein geheimes Treffen, bei dem Vertreter fast aller großen Konzerne Deutschlands zusammentrafen, um Hitler und seiner NSDAP die entscheidende finanzielle Rückendeckung für die Reichstagswahl am 5. März 1933 zu sichern. Schönbach zeigt anhand bislang wenig ausgewerteter Archivquellen, dass diese Unterstützung nicht etwa aus Angst oder Druck erfolgte, wie es spätere Rechtfertigungen glauben machen wollen, sondern aus Überzeugung und politischem Kalkül.

    Die industrielle Elite, die sich offen gegen die Demokratie der Weimarer Republik stellte, sah in Hitler den Garanten ihrer wirtschaftlichen Interessen – gegen Gewerkschaften, Sozialismus und politische Unsicherheit. Sie waren bereit, einen Diktator zu installieren, um die alte Ordnung im neuen Gewand zu bewahren. Damit widerlegt Schönbach nicht nur gängige Entlastungsmythen, sondern zeichnet ein ungeschöntes Bild der deutschen Wirtschaft als aktiven Mitgestalter der nationalsozialistischen Machtergreifung.

    Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Dynamik innerhalb der Wirtschaftskreise: Wie aus anfänglicher Sympathie eine gezielte politische Bewegung wurde, wie Netzwerke wie der Kepplerkreis agierten und schließlich, wie Hitlers Erfolg auch ein Produkt wirtschaftlicher Planung und Finanzierung war. Der Aufsatz räumt mit dem lange gepflegten Mythos auf, die Großindustrie sei bestenfalls Mitläufer gewesen.

    Die Königsmacher ist ein Beitrag, der Historiker ebenso wie eine breite Leserschaft anspricht, die sich für die wahren Mechanismen hinter Hitlers Aufstieg interessiert. Dr. Schönbachs akribische Quellenarbeit und klare Sprache machen den Aufsatz zu einer spannenden und zugleich beunruhigenden Lektüre, die einmal mehr die Verantwortung gesellschaftlicher Eliten in Krisenzeiten ins Licht rückt.

    Wer verstehen möchte, wie schnell demokratische Strukturen unter dem Druck wirtschaftlicher Interessen zerbrechen können – und welche Lehren daraus für die Gegenwart gezogen werden müssen –, sollte sich diesen Aufsatz nicht entgehen lassen.

    Die Königsmacher

    Die Königsmacher – Hitler, die Großindustrie und die gekaufte Wahl (e-paper)

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    Die Königsmacher – Hitler, die Großindustrie und die gekaufte Wahl von Dr. Karsten Heinz Schönbach Hjalmar Schacht, der Kepplerkreis, die Konferenz vom 20. Februar 1933 und die Machtergreifung Adolf Hitlers (e-paper)

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    Wie Alice Weidel Hitler sieht

    Am 9. Januar 2025 fand ein Gespräch zwischen Alice Weidel, Vorsitzende der AfD, und Elon Musk, Tech-Milliardär und Trump-Berater, auf dessen Social-Media-Plattform X statt. Musk und Weidel unterhielten sich in lockerer Atmosphäre über die politischen Ziele der AfD, die Energiepolitik Deutschlands, die Rolle von Bürokratie, Steuern und Einwanderung sowie internationale Themen wie den Krieg in der Ukraine und den Nahostkonflikt. Neben politischen Themen behandelte das Gespräch auch philosophische Fragen über Gott, die Zukunft der Menschheit und interplanetare Visionen Musks. Besonders kontrovers, weil geschichtsverfälschend, war jedoch Alice Weidels Aussage zu Hitler, wonach die Nazis Sozialisten bzw. Kommunisten gewesen seien, die durch Verstaatlichung und Antisemitismus charakterisiert wurden. Sie sagte dazu u.a. wörtlich [übersetzt aus dem Englischen]:

    „Er [Hitler] war ein Kommunist und betrachtete sich selbst als Sozialist. Was sie [die Nationalsozialisten] also taten, war, dass sie die privaten Unternehmen staatlich finanzierten und dann riesige Steuern verlangten, und dann auch noch die gesamte Industrie verstaatlichten.“

    Sollte dir der Inhalt des Gesprächs nicht bekannt sein, kannst du am Ende dieses Artikel eine deutsche Übersetzung des gesamten Gesprächs kostenlos erhalten. Die Aufnahme des Gesprächs steht im Original auf X zur Verfügung.

    Sie beschrieb sich und die AfD als libertär und konservativ geprägt, und damit als genauen Gegensatz zu Hitler und seiner faschistischen NSDAP, die ihrer Auffassung nach nicht nur keine Rechtsextremen, sondern gar Linksextreme, nämlich Kommunisten bzw. Sozialisten gewesen seien. Ihre Begründung: Die Nationalsozialisten hätten erstens genauso wie Stalin und die Kommunisten sich selbst als „sozialistisch“ bezeichnet, seien zweitens antisemitisch gewesen und hätten drittens die Wirtschaft verstaatlicht oder zumindest weitestgehend staatlicher Kontrolle unterworfen. In einem nach dem Gespräch geführten Interview bekräftigte Alice Weidel ihre Ansicht nochmals mit den Worten: „Adolf Hitler war ein Linker mit den gleichen Methoden wie heute. Mit Gleichschaltung von Medien, Einschränkung der Meinungsbildung und sonstigen Verboten und Ausgrenzung von anderen Meinungen.“ Hitler und Stalin seien „Brüder im Geiste“ gewesen und „der Antisemitismus ist links“.

    War Hitler ein Kommunist?

    Die Abbildung wurde mit KI erstellt. Die Verwendung der Symbolik erfolgt im Interesse der staatsbürgerlichen Aufklärung und der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens und der Geschichte.

    Selbstbezeichnung als Sozialisten
    Historiker haben mehrfach darauf hingewiesen, dass der Begriff „sozialistisch“ im Namen der NSDAP bewusst zur Täuschung und Instrumentalisierung gewählt wurde. Es gab zwar einen kleinen sozialrevolutionären, aber klar antimarxistisch geprägten Flügel innerhalb der Partei, dieser wurde aber bereits 1930 entmachtet. Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, bezeichnete in einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA) am 10. Januar 2025 Alice Weidel’s Aussage als „historisch grundfalsch“ und betonte: „Die NSDAP nutzte den Begriff, um Arbeiter anzusprechen, hatte aber keinerlei ideologische Nähe zum Sozialismus, der auf Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit beruht.“ Die Partei verfolgte eine rechtsextreme Ideologie und bekämpfte Sozialisten sowie Kommunisten systematisch. „Unter Hitlers Verantwortung wurden nicht nur Zehntausende Kommunisten verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und ermordet, sondern auch zahllose Sozialdemokraten und Gewerkschaftler“, erklärte Wirsching.

    Antisemitismus
    Der Antisemitismus der Nationalsozialisten unterscheidet sich grundlegend von dem, was in sozialistischen oder kommunistischen Bewegungen der Zeit an antisemitischen Tendenzen zu finden war. „Die beiden Hauptprojekte der Nationalsozialisten waren die Vernichtung des Judentums und die Eroberung von Lebensraum im Osten. Dagegen sah sich die Sowjetunion als Akteur des internationalen Klassenkampfes“, stellte der Historiker Dr. Udo Grashoff vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden in einem Beitrag des ZDF am 10. Januar 2025 klar. Der Versuch, Antisemitismus als verbindendes Element oder gar als Nachweis zur Gleichstellung zu nutzen, sei daher historisch unhaltbar.

    Verstaatlichung der Wirtschaft
    Der zentrale Punkt von Weidels Argumentation, die angebliche Verstaatlichung der Wirtschaft, wird von Historikern besonders scharf kritisiert. Die Nationalsozialisten setzten auf eine staatsgelenkte Wirtschaft, aber sie verstaatlichten Unternehmen nicht. Vielmehr wurden Privatunternehmen wie bspw. die IG Farben massiv gefördert, solange sie die Kriegswirtschaft unterstützten. Die NS-Wirtschaftspolitik war geprägt von Privilegien für loyale Unternehmer und einer engen Kooperation zwischen Staat und Privatwirtschaft, nicht aber von der Abschaffung des Privateigentums und dessen Überführung in sog. „Volkseigentum“, wie es im Staatssozialismus der DDR oder in der Sowjetunion praktiziert wurde.

    Vielmehr waren die Großindustriellen der Weimarer Republik zu einem großen Teil aktive Förderer und Unterstützer der nationalsozialistischen Bewegung und von Hitler im Besonderen. Exemplarisch an den Kohleindustriellen, zu denen Emil Kirdorf, Fritz Thyssen, Albert Vögler u.v.a. gehörten, weist Dr. Karsten Heinz Schönbach, Historiker und einer der letzten Faschismusforscher in Deutschland, in seinem Aufsatz „Hitler und die deutschen Kohle-Industriellen“ nach, dass diese Gruppe einen besonders aktiven Beitrag bei Hitlers Machtergreifung gespielt hatte und spiegelt deren Motivation mit folgendem Zitat des Großindustriellen Hugo Stinnes aus dem Jahre 1923 treffend wider:

    „Deshalb […] muss ein Diktator gefunden werden, ausgestattet mit der Macht, alles zu tun, was irgendwie nötig ist. So ein Mann muss die Sprache des Volkes reden und selbst bürgerlich sein.“

    Eine noch tiefergehende Analyse des Zusammenspiels zwischen Wirtschaftsmagnaten und NSDAP bei der Errichtung der Nazi-Diktatur in Deutschland hatte Dr. Karsten Heinz Schönbach bereits 2016 mit seiner Doktorarbeit, die als Buch unter dem Titel: „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943“ (ISBN 978-3-86464-080-3) im Trafo-Verlag erschienen ist, vorgelegt.

    Die Aktualität dieser Beiträge zur historischen Analyse der Machtergreifung der Nazis, die letztlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führte, liegt darin, dass diese genau aufzeigen, wie Wirtschaftsmagnate aus Industrie und Bankenwesen ihre ökonomische Macht zu einer extremen Einflußnahme auf die Politik souveräner Staaten bis hin zu deren Umgestaltung in von ihnen abhängige Diktaturen ausnutzten, um ihre Interessen – die Interessen einer verschwindenden Minderheit – gegen das Allgemeinwohl und die natürlichen Lebensinteressen der Menschheit durchzusetzen. Auch heute sehen wir wieder zunehmend deutlicher, wie global und international agierende Mega-Unternehmer Lobby-Netzwerke in mittlerweile fast schon unverhohlener Art und Weise einrichten und ausnutzen, um politische Mandats- und Entscheidungsträger weltweit in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und um jeglichen Mißverständnissen vorzubeugen, sei hier auch klar gesagt, dass wir mit diesem Hinweis nicht allein auf Elon Musk und die AfD anspielen. Diese Verbindungen und Einflussnahmen lassen sich bereits seit geraumer Zeit genauso klar zwischen Akteuren hinter Großunternehmen und Finanzinstitutionen wie Blackrock, dem World Economic Forum, Microsoft, dem IWF und anderen einerseits und den „demokratischen Parteien“, die über Jahrzehnte die Politik der wichtigsten Wirtschaftsnationen der westlichen Welt bestimmt haben, andererseits, erkennen. Wie anders kann man sonst erklären, dass trotz anders lautender Wahlversprechen bereits seit den 80er Jahren gegen das eindeutige Interesse der Mehrheit der Bevölkerung konsequent Steuern gesenkt, der Sozialstaat zurückgefahren, die Arbeitnehmerrechte aufgeweicht, Mega-Unternehmen subventioniert und damit das Gefälle zwischen Arm und Reich massiv vergrößert wurde, egal welcher Coleur die jeweiligen Regierungen waren? Wie kann man sich dann über Politikverdrossenheit und das Erstarken extremer Parteien wundern? Und um diesen Prozess noch zu beschleunigen, kommen in den letzten Jahren noch verstärkt offene Eingriffe in persönliche Freiheits- und Unversehrtheitsrechte zugunsten der Pharmaindustrie, wie während der Corona-Krise massiv geschehen, und zuletzt der Trieb zur massiven Aufrüstung und stark steigenden Waffenexporten in offensichtliche Krisengebiete hinzu, die nun auch der durch die lange zumindest für die westliche Welt friedliche Zeit „vernachlässigten“ Rüstungsindustrie Spitzenprofite beschert, hinzu. Werden auch diesmal erst Jahrzehnte nach einem Dritten Weltkrieg Historiker die Zusammenhänge aufzeigen? Und werden sie auch dann wieder nicht gehört? Oder wird es die Menschheit dann schon nicht mehr geben?

    Diese Herleitung aus Alice Weidels Hitler Aussage greift natürlich weit und soll nicht als Schwarzmalerei, sondern als ein Hinweis auf die sichtbaren Warnzeichen verstanden werden, die sich im Lichte der historischen Analysen sehr gut einordnen lassen. Deshalb glauben wir, dass die Aufarbeitung der Geschichte so wichtig ist, und das deren Verfälschung und Manipulation, egal durch wen und welche politische Coleur, so gefährlich ist.

    Hier Kopie des Gesprächs anfordern:



      Alle drei Zustimmungen sind erforderlich.


      *Wenn du deine Email-Adresse hier einträgst, abonnierst du unseren Newsletter und erhältst den Inhalt des Gesprächs zwischen Elon Musk und Alice Weidel, das am 9. Januar 2025 auf X Spaces geführt wurde, in deutsch als PDF-Datei zugeschickt. Die Übersetzung wurde von unserer Redaktion angefertigt und ist nicht autorisiert. Mit der Eintragung deiner Email-Adresse stimmst du unserer Datenschutzerklärung zu.

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      Hitlers Aufstieg zur Macht und die Rolle der deutschen Großindustrie

      von Dr. Karsten Heinz Schönbach

      Seit der Veröffentlichung von Henry Turners German Big Business and the Rise of Hitler haben die meisten Historiker sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten die Vorstellung zurückgewiesen, dass die Unterstützung durch die deutsche Großindustrie eine Schlüsselrolle dabei spielte, Hitler an die Macht zu bringen. Dieser Konsens ist falsch, wie Dr. Karsten Heinz Schönbach in einer Reihe von Arbeiten gezeigt hat, die mit seiner Dissertation an der Freien Universität Berlin begann und sich inzwischen auf mehr als zehn verschiedene Werke, darunter zwei Bücher, erstreckt. Diese Arbeiten stützen sich in hohem Maße auf Archivbestände, die früheren Forschern entweder nicht oder nur selektiv zugänglich waren.

      Diese sehr umfangreichen Forschungen können natürlich nicht in einem einzigen Aufsatz erschöpfend dargestellt werden. Stattdessen befasst sich dieser Aufsatz ausführlich mit einer der entscheidendsten Episoden von Hitlers Aufstieg zur Macht, die von den bisherigen Historikern, insbesondere von Turner, zumindest teilweise aufgrund der unzureichenden dokumentarischen Quellenlage völlig falsch eingeschätzt worden ist. Dies ist die Geschichte der politischen Beziehungen zwischen Hitler und der NSDAP-Führung und den deutschen „Kohle-Industriellen“ in der Zeit von 1926 bis 1933 – basierend auf einer profunden Analyse von erstklassigem Quellenmaterial aus mehreren deutschen Wirtschaftsarchiven. Oder im Klartext: die Rolle, die die deutsche Bergbau-Industrie beim Aufstieg Hitlers Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre spielte.

      Der Aufsatz beginnt mit der Klärung der Frage, wer die deutschen Kohle-Industriellen eigentlich waren und welchen Platz sie in der deutschen Großindustrie einnahmen. Die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland zu dieser Zeit wird untersucht, um zu zeigen, warum die Kohle-Industriellen Hitler unterstützten und in ihm schließlich die Lösung ihrer politischen Probleme sahen. Der Aufsatz zeichnet die Entwicklung der Beziehungen zwischen Hitler und den führenden deutschen Kohle-Industriellen im Laufe der Zeit nach. Der letzte Teil des Aufsatzes untersucht die Auswirkungen des politischen Bündnisses zwischen Hitler und den Kohle-Industriellen und dokumentiert die umfangreiche finanzielle Unterstützung der Industriellen für die NSDAP, ihre Presse und ihre führenden Persönlichkeiten, einschließlich Wahlen.

      Hitler und die deutschen Kohle-Industriellen

      Hitlers Aufstieg zur Macht und die deutschen Kohle-Industriellen (e-paper)

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      Hitler und die deutschen Kohle-Industriellen von Dr. Karsten Heinz Schönbach Aufsatz über die organisatorische und finanzielle Unterstützung Adolf Hitlers und der NSDAP bei ihrem Aufstieg zur Macht durch die Vertreter der deutschen Kohleindustrie

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      Schlacht um Arnheim 1944 – Ein deutscher Abwehrsieg?

      von Dr. Karsten Heinz Schönbach

      Die Schlacht um Arnheim ist das Ergebnis des Scheiterns der west-alliierten Offensive unter dem Tarnnamen „Market Garden“ im September/Oktober 1944. Das heißt zugleich, dass es sich hier in der Tat um einen deutschen Abwehrsieg handelt. Entgegen den bisherigen Auffassungen dazu, endete die Schlacht jedoch nicht schon Ende September, sondern erst Anfang Oktober 1944 mit dem Gefecht um die Kreuzung bei Elst.

      „Der 17.9. stand im Zeichen der feindlichen Luftlandung im Raum zwischen Eindhoven und Arnheim, wo der Feind mit 2 – 3 Divn. sich in den Besitz aller wesentlichen Übergangsstellen zu setzen versuchte, um der im Laufe des Nachmittags zum Angriff nach Norden angetretenen 2. englischen Armee den Weg über die Kanäle und Flüsse offen zu halten.“(1)

      So lautete die Tagesmeldung des OB West an das OKH vom 17. September 1944. Der britische Feldmarschall Montgomery hatte den Plan entwickelt, mit einer überraschenden Offensive in Holland gegen die dortigen deutschen Truppen, den „Westwall“ zu umgehen, die Westfront aus den Angeln zu heben und in die norddeutsche Tiefebene in den Rücken der Heeresgruppe B (HG B) vorzustoßen. Das Unternehmen war als große Luftlandeoperation gedacht. Luftlandetruppen sollten im Rücken der deutschen Front die Brücken über mehrere Flüsse sichern, damit die Truppen des XXX. brit. Korps schnell über sie hinwegstoßen könnten.(2) Allerdings gelang es dem OB West und der HG B den angreifenden west-alliierten Verbänden, schnell den Schneid abzukaufen. Die britische Aufklärung hatte in der Nähe der Absprungzonen befindliche SS-Panzerdivisionen übersehen. Diese waren zwar in einem schlechten Zustand, aber sie waren da.
      Im Verlaufe der Operation „Market Garden“ gelang es den west-alliierten Luftlandetruppen nicht, die nördlichste Brücke – die Brücke von Arnheim – zu sichern. Im Raum Arnheim zog der OB West insgesamt neun Divisionen zusammen – darunter drei Panzerdivisionen (9. u. 10.SS-PzD, 116. PzD). In einem Bericht des OB West an das „Oberkommando des Heeres“ (OKH) heißt es dazu:
      „Die feindl.[ichen] Absichten sind durch die erfolgreichen eigenen Gegenmaßnahmen gegen die Luftlandetruppen vermutlich erheblich gestört. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass der Gegner mit allen Mitteln versuchen wird, sowohl durch weitere Luftlandungen […] als auch verstärkten Druck aus dem Raum Eindhoven eine sichere Landverbindung zur Luftlandetruppe herzustellen.“(3)

      Schlacht um Arnhem
      Karte gezeichnet von Dr. Karsten Heinz Schönbach

      Vor allem die 1. britische Luftlandedivision (LLD), die nordwestlich von Arnheim abgesprungen war, geriet durch die SS-Panzerdivisionen in schwere, verlustreiche Kämpfe. Bereits am 24. September ordnete Feldmarschall Montgomery die Evakuierung der restlichen Kämpfer der 1. brit. LLD an. Von den etwa 10.000 Mann der Division kamen noch 2.163 Mann über den Niederrhein bei Arnheim zurück zu den west-alliierten Linien.(4)
      Trotz der sich für sie abzeichnenden Niederlage warfen die West-Alliierten am 27. September immer weiter Luftlandetruppen in die Schlacht – hauptsächlich im Raum Nimwegen. An diesem Tag konzentrierten sich fast die gesamten im Einsatz befindlichen west-alliierten Luftstreitkräfte an der Westfront nahezu ausschließlich auf die Unterstützung der Operation „Market Garden“ im Raum Nimwegen.(5) Am 29. September konzentrierte sich der west-alliierte Luftwaffeneinsatz hautsächlich auf Verkehrsziele im Rückraum der Wehrmacht in Holland.(6) Die starke Konzentrierung der west-alliierten Luftstreitkräfte über dem Raum Nimwegen – Arnheim konnte die abnehmende Überlegenheit der west-alliierten Bodentruppen jedoch nicht kompensieren.

      Durch die zunehmende Anzahl deutscher Divisionen im Raum Nimwegen – Arnheim verloren die west-alliierten Truppen ihre signifikante Überlegenheit und das Überraschungsmoment. Damit hatte sich ihre Lage für sie bereits entscheidend verschlechtert.

      In der Zeit vom 2. bis zum 5. Oktober vereinten die Deutschen im Westen des Raumes Nimwegen – Arnheim drei Panzerdivisionen (PzD): die 10. SS-PzD, die 116. PzD und die 9. SS-PzD. Diese drei Panzerdivisionen wurden zusammen eingesetzt, um zwischen Arnheim und Nimwegen die Front der angloamerikanischen Truppen zu durchbrechen und die taktisch wichtige Straßenkreuzung bei Elst einzunehmen. Die Kämpfe dauerten bis in die Nächte hinein. Dabei gelang es den deutschen Truppen – trotz heftiger britisch-amerikanischer Luftangriffe – die Verbindungsstraße zwischen Arnheim und Nimwegen zu erreichen und unter verlustreichen Kämpfen zu sichern.(7) Damit waren der Weg und die Verbindung der Engländer nach Arnheim endgültig abgeschnitten.

      Entgegen der bisherigen Geschichtsschreibung zu diesem Thema, endete also erst mit diesem letzten Gefecht die Schlacht um Arnheim. Am 9. Oktober 1944 ebbten daher die Kämpfe im Raum Nimwegen – Arnheim erstmals seit dem 17. September wieder spürbar ab.(8) Die Operation „Market Garden“ endete in einem Fiasko für die west-alliierten Streitkräfte. Die Verluste der west-alliierten Truppen beliefen sich allein bis Ende September auf fast 17.000 Mann. Die deutschen Verluste waren demgegenüber mit etwa 3.300 Mann bis Ende September verhältnismäßig gering.(9) Bei den west-alliierten Verlusten kamen noch die Verluste der beiden US-Luftlandedivisionen mit insgesamt 7.382 Mann dazu. (10)

      Doch die Kämpfe zwischen dem 2. und 5. Oktober forderten gewiss noch einmal ihren blutigen Tribut auf beiden Seiten. Man kann mit Blick auf das Ganze sagen, dass die Schlacht um Arnheim Anfang Oktober 1944 ausklang. Am 9. Oktober 1944 ebbten die Kämpfe im Raum Nimwegen-Arnheim erstmals spürbar ab. (11)

      Die Führung der 21. HG unter Montgomery sah ihre Niederlage bei Arnheim ein und verschob den Schwerpunkt ihrer weiteren Kämpfe nach West-Holland. Dort konzentrierte sich Montgomery auf die 15. (deutsche) Armee.(12)

      Die Ardennenoffensive

      Die Ardennenoffensive (Ankündigung)

      Die Ardennenoffensive und die großen Schlachten an der Westfront im Herbst 1944: Arnheim – Aachen – Elsass-Schlacht – Wacht am Rhein – Nordwind von Dr. Karsten Heinz Schönbach

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      Quellen und Anmerkungen

      Nationalarchiv der USA: Captured German Records – The American Historical Associa-tion/Committee fort he Study of War Documents (AHA/CSWD); Digital History Archive (LLC), Mary-land/USA

      1. Tagesmeldung zum 18.09.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/60), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266180.
      2. Siehe dazu: Beevor, Antony, Arnheim – Kampf um die Brücken über den Rhein, München 2019, S. 39 – 45; Vogel, Detlef, Deutsche und alliierte Kriegsführung im Westen; in: MGF (Hg.), Das Deutsche Reich in der De-fensive – Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien, 1943 – 1944/45, Stuttgart 2001, S. 606 – 608; Querengässer, Alexander, Sprung ins Debakel – Alliierte Fallschirmoperationen im Zweiten Weltkrieg; in: Clausewitz Spezial, Fallschirmjäger von 1936 bis 1945, München 2021, S. 70 – 73; Jordan, Da-vid, Battle oft the Bulge – German last Offensive December 1944 – January 1945, London 2019, S. 26 – 27.
      3. Bericht über Feindlage im Westen, undatiert, Kriegstagebuch des OKH (H1/534 a – b), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 529, Bildnummer: 572.
      4. Jordan, David, S. 27.
      5. Tagesmeldung zum 27.09.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/60), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266268.
      6. Tagesmeldung zum 29.09.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/60), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266291.
      7. Vgl.: Tagesmeldungen vom 02.10.1944, 03.10.1944 und 05.10.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/61), AHA/CSWD,Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266312, (6)266320 und (6)266341.
      8. Tagesmeldung vom 09.10.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/61), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 313 Bildnummer: (6)266380 – (6)266382.
      9. Vgl.: Beevor, Antony, Arnheim, S. 412 – 413; Schumann, Wolfgang u.a. (Hg.), Deutschland im zweiten Welt-krieg, Band 6 (Die Zerschlagung des Hitlerfaschismus und die Befreiung des deutschen Volkes), Berlin 1988, S. 116.
      10. Beevor, Antony, Arnheim, S. 431.
      11. Tagesmeldung vom 09.10.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/61), AHA/CSWD, Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266380 – (6)266382.
      12. Vgl. dazu u.a.: Tagesmeldungen zum 17. – 26.10.1944, Akten des OKH/Tagesmeldungen OB West (H22/61), NARA, Mikrofilm T-78, Rolle 313, Bildnummer: (6)266433 – (6)266510. – Hinweis: Ebenso die weiter folgenden Tagesmeldungen zeichnen dasselbe Bild, auch ohne, dass sie hier im Weiteren angeführt werden.