Am 9. Januar 2025 fand ein Gespräch zwischen Alice Weidel, Vorsitzende der AfD, und Elon Musk, Tech-Milliardär und Trump-Berater, auf dessen Social-Media-Plattform X statt. Musk und Weidel unterhielten sich in lockerer Atmosphäre über die politischen Ziele der AfD, die Energiepolitik Deutschlands, die Rolle von Bürokratie, Steuern und Einwanderung sowie internationale Themen wie den Krieg in der Ukraine und den Nahostkonflikt. Neben politischen Themen behandelte das Gespräch auch philosophische Fragen über Gott, die Zukunft der Menschheit und interplanetare Visionen Musks. Besonders kontrovers, weil geschichtsverfälschend, war jedoch Alice Weidels Aussage zu Hitler, wonach die Nazis Sozialisten bzw. Kommunisten gewesen seien, die durch Verstaatlichung und Antisemitismus charakterisiert wurden. Sie sagte dazu u.a. wörtlich [übersetzt aus dem Englischen]:
„Er [Hitler] war ein Kommunist und betrachtete sich selbst als Sozialist. Was sie [die Nationalsozialisten] also taten, war, dass sie die privaten Unternehmen staatlich finanzierten und dann riesige Steuern verlangten, und dann auch noch die gesamte Industrie verstaatlichten.“
Sollte dir der Inhalt des Gesprächs nicht bekannt sein, kannst du am Ende dieses Artikel eine deutsche Übersetzung des gesamten Gesprächs kostenlos erhalten. Die Aufnahme des Gesprächs steht im Original auf X zur Verfügung.
Sie beschrieb sich und die AfD als libertär und konservativ geprägt, und damit als genauen Gegensatz zu Hitler und seiner faschistischen NSDAP, die ihrer Auffassung nach nicht nur keine Rechtsextremen, sondern gar Linksextreme, nämlich Kommunisten bzw. Sozialisten gewesen seien. Ihre Begründung: Die Nationalsozialisten hätten erstens genauso wie Stalin und die Kommunisten sich selbst als „sozialistisch“ bezeichnet, seien zweitens antisemitisch gewesen und hätten drittens die Wirtschaft verstaatlicht oder zumindest weitestgehend staatlicher Kontrolle unterworfen. In einem nach dem Gespräch geführten Interview bekräftigte Alice Weidel ihre Ansicht nochmals mit den Worten: „Adolf Hitler war ein Linker mit den gleichen Methoden wie heute. Mit Gleichschaltung von Medien, Einschränkung der Meinungsbildung und sonstigen Verboten und Ausgrenzung von anderen Meinungen.“ Hitler und Stalin seien „Brüder im Geiste“ gewesen und „der Antisemitismus ist links“.

Die Abbildung wurde mit KI erstellt. Die Verwendung der Symbolik erfolgt im Interesse der staatsbürgerlichen Aufklärung und der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens und der Geschichte.
Selbstbezeichnung als Sozialisten
Historiker haben mehrfach darauf hingewiesen, dass der Begriff „sozialistisch“ im Namen der NSDAP bewusst zur Täuschung und Instrumentalisierung gewählt wurde. Es gab zwar einen kleinen sozialrevolutionären, aber klar antimarxistisch geprägten Flügel innerhalb der Partei, dieser wurde aber bereits 1930 entmachtet. Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, bezeichnete in einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA) am 10. Januar 2025 Alice Weidel’s Aussage als „historisch grundfalsch“ und betonte: „Die NSDAP nutzte den Begriff, um Arbeiter anzusprechen, hatte aber keinerlei ideologische Nähe zum Sozialismus, der auf Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit beruht.“ Die Partei verfolgte eine rechtsextreme Ideologie und bekämpfte Sozialisten sowie Kommunisten systematisch. „Unter Hitlers Verantwortung wurden nicht nur Zehntausende Kommunisten verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und ermordet, sondern auch zahllose Sozialdemokraten und Gewerkschaftler“, erklärte Wirsching.
Antisemitismus
Der Antisemitismus der Nationalsozialisten unterscheidet sich grundlegend von dem, was in sozialistischen oder kommunistischen Bewegungen der Zeit an antisemitischen Tendenzen zu finden war. „Die beiden Hauptprojekte der Nationalsozialisten waren die Vernichtung des Judentums und die Eroberung von Lebensraum im Osten. Dagegen sah sich die Sowjetunion als Akteur des internationalen Klassenkampfes“, stellte der Historiker Dr. Udo Grashoff vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden in einem Beitrag des ZDF am 10. Januar 2025 klar. Der Versuch, Antisemitismus als verbindendes Element oder gar als Nachweis zur Gleichstellung zu nutzen, sei daher historisch unhaltbar.
Verstaatlichung der Wirtschaft
Der zentrale Punkt von Weidels Argumentation, die angebliche Verstaatlichung der Wirtschaft, wird von Historikern besonders scharf kritisiert. Die Nationalsozialisten setzten auf eine staatsgelenkte Wirtschaft, aber sie verstaatlichten Unternehmen nicht. Vielmehr wurden Privatunternehmen wie bspw. die IG Farben massiv gefördert, solange sie die Kriegswirtschaft unterstützten. Die NS-Wirtschaftspolitik war geprägt von Privilegien für loyale Unternehmer und einer engen Kooperation zwischen Staat und Privatwirtschaft, nicht aber von der Abschaffung des Privateigentums und dessen Überführung in sog. „Volkseigentum“, wie es im Staatssozialismus der DDR oder in der Sowjetunion praktiziert wurde.
Vielmehr waren die Großindustriellen der Weimarer Republik zu einem großen Teil aktive Förderer und Unterstützer der nationalsozialistischen Bewegung und von Hitler im Besonderen. Exemplarisch an den Kohleindustriellen, zu denen Emil Kirdorf, Fritz Thyssen, Albert Vögler u.v.a. gehörten, weist Dr. Karsten Heinz Schönbach, Historiker und einer der letzten Faschismusforscher in Deutschland, in seinem Aufsatz „Hitler und die deutschen Kohle-Industriellen“ nach, dass diese Gruppe einen besonders aktiven Beitrag bei Hitlers Machtergreifung gespielt hatte und spiegelt deren Motivation mit folgendem Zitat des Großindustriellen Hugo Stinnes aus dem Jahre 1923 treffend wider:
„Deshalb […] muss ein Diktator gefunden werden, ausgestattet mit der Macht, alles zu tun, was irgendwie nötig ist. So ein Mann muss die Sprache des Volkes reden und selbst bürgerlich sein.“
Eine noch tiefergehende Analyse des Zusammenspiels zwischen Wirtschaftsmagnaten und NSDAP bei der Errichtung der Nazi-Diktatur in Deutschland hatte Dr. Karsten Heinz Schönbach bereits 2016 mit seiner Doktorarbeit, die als Buch unter dem Titel: „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943“ (ISBN 978-3-86464-080-3) im Trafo-Verlag erschienen ist, vorgelegt.
Die Aktualität dieser Beiträge zur historischen Analyse der Machtergreifung der Nazis, die letztlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führte, liegt darin, dass diese genau aufzeigen, wie Wirtschaftsmagnate aus Industrie und Bankenwesen ihre ökonomische Macht zu einer extremen Einflußnahme auf die Politik souveräner Staaten bis hin zu deren Umgestaltung in von ihnen abhängige Diktaturen ausnutzten, um ihre Interessen – die Interessen einer verschwindenden Minderheit – gegen das Allgemeinwohl und die natürlichen Lebensinteressen der Menschheit durchzusetzen. Auch heute sehen wir wieder zunehmend deutlicher, wie global und international agierende Mega-Unternehmer Lobby-Netzwerke in mittlerweile fast schon unverhohlener Art und Weise einrichten und ausnutzen, um politische Mandats- und Entscheidungsträger weltweit in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und um jeglichen Mißverständnissen vorzubeugen, sei hier auch klar gesagt, dass wir mit diesem Hinweis nicht allein auf Elon Musk und die AfD anspielen. Diese Verbindungen und Einflussnahmen lassen sich bereits seit geraumer Zeit genauso klar zwischen Akteuren hinter Großunternehmen und Finanzinstitutionen wie Blackrock, dem World Economic Forum, Microsoft, dem IWF und anderen einerseits und den „demokratischen Parteien“, die über Jahrzehnte die Politik der wichtigsten Wirtschaftsnationen der westlichen Welt bestimmt haben, andererseits, erkennen. Wie anders kann man sonst erklären, dass trotz anders lautender Wahlversprechen bereits seit den 80er Jahren gegen das eindeutige Interesse der Mehrheit der Bevölkerung konsequent Steuern gesenkt, der Sozialstaat zurückgefahren, die Arbeitnehmerrechte aufgeweicht, Mega-Unternehmen subventioniert und damit das Gefälle zwischen Arm und Reich massiv vergrößert wurde, egal welcher Coleur die jeweiligen Regierungen waren? Wie kann man sich dann über Politikverdrossenheit und das Erstarken extremer Parteien wundern? Und um diesen Prozess noch zu beschleunigen, kommen in den letzten Jahren noch verstärkt offene Eingriffe in persönliche Freiheits- und Unversehrtheitsrechte zugunsten der Pharmaindustrie, wie während der Corona-Krise massiv geschehen, und zuletzt der Trieb zur massiven Aufrüstung und stark steigenden Waffenexporten in offensichtliche Krisengebiete hinzu, die nun auch der durch die lange zumindest für die westliche Welt friedliche Zeit „vernachlässigten“ Rüstungsindustrie Spitzenprofite beschert, hinzu. Werden auch diesmal erst Jahrzehnte nach einem Dritten Weltkrieg Historiker die Zusammenhänge aufzeigen? Und werden sie auch dann wieder nicht gehört? Oder wird es die Menschheit dann schon nicht mehr geben?
Diese Herleitung aus Alice Weidels Hitler Aussage greift natürlich weit und soll nicht als Schwarzmalerei, sondern als ein Hinweis auf die sichtbaren Warnzeichen verstanden werden, die sich im Lichte der historischen Analysen sehr gut einordnen lassen. Deshalb glauben wir, dass die Aufarbeitung der Geschichte so wichtig ist, und das deren Verfälschung und Manipulation, egal durch wen und welche politische Coleur, so gefährlich ist.
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